Haben Sie schon einmal einem Maler zugeschaut, der an seinem Bild arbeitet? Er braucht die Nähe, sonst könnte er ja nicht malen: Er geht aber von Zeit zu Zeit ein paar Schritte zurück, damit er sein Kunstwerk wieder als Ganzes in den Blick bekommt. Er kann erst aus der Distanz von ein paar Schritten ermessen, was er vor sich hat, was ihm gelungen ist und was es zu ändern gilt. Das könnten wir den Malern abschauen. Die beginnende Woche weist so einen Schritt auch im Kirchenjahr auf. Aus dem Trubel und dem überschwenglichen Feiern des Faschingdienstag treten wir einen Schritt zurück und gewinnen den Abstand der Fastenzeit, aus dem der Überblick über unser Leben wieder leichter möglich wird.
Darf ich denn diese paar Schritte zurück überhaupt tun? Bin ich nicht verstrickt in meine Aufgaben, lassen mich meine Sorgen überhaupt los? Manche von Ihnen werden sagen: Nein! Ich bin hineinverwoben in meinen eigenen Alltag, ich bin wie angekettet an das Bild, das zu malen mein Auftrag ist.
Das ist auch meine Frage an Sie: Gestalten Sie Ihren Alltag oder gestaltet Ihr Alltag Sie? Haben Sie die Freiheit, ein paar Schritte zurückzugehen, können Sie loslassen, haben Sie die nötige Gelassenheit? Ich denke, Gelassenheit ist die Eigenschaft von Menschen, die wissen, daß es nicht nur auf sie ankommt. Es ist eine Eigenschaft, die mit Vertrauen, mit Gottvertrauen Hand in Hand geht. Sie kommt aus der Gewißheit, daß alles Bemühen und Gestalten noch einmal umfangen ist von der helfenden und bergenden Hand Gottes. Aus Geborgenheit und Gottvertrauen heraus kann man erst wirklich unverkrampft handeln, kann wie ein Maler das ganze Bild des eigenen Tages, des eigenen Lebens in den Blick nehmen und kann sich dann mit aller Hingabe den Einzelheiten widmen.
Diese Gelassenheit aus dem Vertrauen auf die schützende Hand Gottes wünsche ich ihnen.