Jeder Anlaß verlangt seine besondere Kleidung. Man kann nicht in der Badehose in die Oper gehen. Auch der sonntägliche Kirchgang ist für viele der Anlaß für festliche Kleidung. Unserem Äußeren entspricht eine innere Einstellung, eine Absicht. Das ist nicht nur bei der Kleidung so. Denken Sie an die Art, wie wir einander begrüßen. Sie begegnen einem Bekannten. Sie nicken mit dem Kopf. Sie lächeln, sie schütteln ihm die Hand. Wer all das losgelöst von der Absicht betrachtet, die dahintersteht, der sieht nur Turnübungen: Turnübungen des Gesichts, der Hände, des ganzen Körpers. So aber heißt es: Schön, dich zu sehen!
Wir leben, so gesehen, mit Äußerlichkeiten. Sie hängen mit unserem Inneren, mit unserem Wollen und unserer Einstellung zusammen. Und sie sind, was den Menschen angeht, in gewissem Sinn sogar lebenswichtig. Jedes Ding hat doch seine Außenseite, auch das Lebewesen Mensch besteht nicht nur aus Herz, sondern zum Beispiel auch aus Haut. Ein Mensch ohne Haut ist so tot wie ein Mensch ohne Herz. Die Haut, die Außenseite des Menschen, die Äußerlichkeiten, sind selbst die Kontaktmöglichkeit des Menschen, die Fähigkeit, mit seiner Umwelt in Beziehung zu treten.
Wir dürfen und sollen unserem Glauben, unserem Verhältnis zu Gott, in unserem Leben Gestalt geben, wir dürfen und sollen Formen entwickeln, die unseren Glauben sichtbar und weitergebbar werden lassen. Wir brauchen Zeichen, sozusagen als Außenseite unseres Glaubens, die uns wie eine Haut den Kontakt zum Nächsten ermöglichen. Aber das Zeichen, die Außenseite darf nicht lügen. Wir selber, als einzelne ebenso wie als Kirche, müssen wirklich aus jenen Quellen des Glaubens leben, auf die wir andere mit unseren Zeichen hinweisen.
Ich wünsche Ihnen, daß Sie in dieser Fastenzeit die Quellen des Gebets und des Gottesdienstes neu und tiefer entdecken und daraus Ihrem Leben Gestalt geben können.