Wie lernt man schwimmen? Ich kann Ihnen sagen, wie man es nicht lernt. Man lernt es nicht, indem man Bewegungen trainiert. Man kann in der Wüste nicht schwimmen lernen. Man kann noch so viele gescheite Bücher über die richtigen Bewegungen lesen, die zu vollführen sind. Davon lernt man nicht schwimmen. Man muß das Wasser spüren. Man muß erfahren, daß das Wasser trägt und muß erfahren, daß es Freude macht, sich im Wasser aufzuhalten. Das erfährt man nicht in der Wüste und nicht auf dem Berg. Schwimmen lernt nur der, der eine Grunderfahrung hat. Diese Erfahrung heißt: Ich weiß, daß mich das Wasser trägt.
Warum ich Ihnen das erzähle? Weil wir eigentlich alle als mehr oder weniger gute Schwimmer in unserem Leben unterwegs sind. Wer nicht weiß, daß er getragen ist in seinem Leben, der wird strampeln und um sich schlagen wie ein Ertrinkender. Wir brauchen in unserem Leben die Grunderfahrung des Schwimmers: Ich weiß, daß ich getragen bin. Mit diesem Wissen kann ich gelassen, ruhig, aber mit aller geplanten Kraft meine Bewegungen machen, und sie werden mich wie einen guten Schwimmer ans Ziel bringen.
Sind wir getragen in unserem Leben? Strampeln wir nur, um nicht unterzugehen?
Das ist auch das Schöne an unserem Glauben, daß wir nicht die Technik des Schwimmens, sondern die Tragkraft des Wassers im Mittelpunkt unserer Betrachtungen haben dürfen. Keine klugen Gebrauchsanweisungen, sondern die einfache Tatsache: Getragen werden wir, und deshalb können wir uns selber fortbewegen. Ich wünsche Ihnen diese Erfahrung des Getragenseins, die wir alle so dringend brauchen.