Von einem Museumsbesuch ist mir ein berühmtes Bild in Erinnerung. Ein Gesicht war darauf zu sehen, das aus zahlreichen Speisen zusammengesetzt war: Aus Karotten die Nase, aus Obst und Gemüse und Wurst das ganze Gesicht.
Manche meinen ja: der Mensch ist, was er ißt. Entspricht dieses Bild, wie es den Menschen darstellt, tatsächlich unserer Wirklichkeit? Sind wir nicht mehr als das, was wir konsumieren, was wir verbraucht haben, was wir zu uns nehmen? Sind wir das wirklich? Wer das behauptet, vergißt auf die Möglichkeit des Menschen, sich das Zugeführte wirklich zu eigen zu machen. Wer nur hinunterschluckt und nicht kaut, der kann sich nicht ernähren. Kauen und verdauen, das ist es, was uns ermöglicht zu leben und nicht so auszuschauen wie das eingangs angeführte Bild. Wir sind mehr als nur Karotten mit Schnitzel und Reis. Wir haben unser eigenes Gesicht.
Es ist aber nicht nur die Nahrung des Körpers, die gekaut und verdaut werden muß. Das gleiche gilt auch für die geistige Nahrung: Wir sind mehr als all die gescheiten Worte, die wir gehört haben; wir sind mehr als das Bündel von Zuspruch und Ablehnung, das man uns zukommen läßt. Wir sind auch mit geistigen Kauwerkzeugen ausgestattet, die verwendet werden müssen. Das bloße Hinunterschlucken genügt nicht.
Auch unseren Glauben können wir als ein Lebensmittel verstehen. Er soll nicht im ganzen hinuntergeschluckt werden, sonst bleibt er uns im Magen liegen oder verursacht Blähungen des Gemüts, gelegentlich auch Haltungsfehler oder eine Art von geistlich-geistiger Zuckerkrankheit.
Bringen wir unsere Zähne, unsere Kiefer zum Einsatz. Lassen wir unseren Verstand spielen, wenn es um die neue Aneignung all der Dinge geht, die uns leben machen. Hinunterschlucken genügt nicht.