Lieben Sie Wienerschnitzel? Lieben Sie Schokoladepudding? Ist Lieben und
Habenmöchten dasselbe?
Man kann auch Menschen als Konsumgut verstehen, und man tut es womöglich dort,
wo man jemand "zum Fressen gern" hat. Die Sprache ist verräterisch: Es handelt sich
um eine besondere Form des Kannibalismus, die da zur Sprache kommt, und nicht um
Liebe. Wer wirklich liebt, sagt zum anderen: Schön, dass es dich gibt, so wie du bist,
nicht so, wie ich dich haben will. Lieben heißt immer auch Anerkennen der
Eigenständigkeit des anderen, nicht Festhaltenwollen, nicht Habenwollen.
Der Evangelist Johannes beschreibt die Liebe als Weitergabe. Er betont, dass wir nur
geben können, was wir bekommen haben. Weil Gott uns seine Nähe schenkt, wird
menschliche Nähe und Mitmenschlichkeit möglich. Nur weil Gott uns in Jesus als unser
Lichtblick erscheint, können wir füreinander Lichtblick sein, Hoffnung geben. Nur weil
uns verziehen wird, können wir verzeihen. Wer glaubt, dass Mitmenschlichkeit,
Zuwendung und Liebe nur eigene Leistung sei, überschätzt sich und seine
Möglichkeiten.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich als von Gott beschenkte, getragene, geliebte
Menschen erfahren, damit Sie selbst ein Geschenk sind für die, die Ihnen anvertraut
sind.