Das Evangelium von der Heilung des Gelähmten, der durch das Dach heruntergelassen wird, hat mich aus aktuellem Anlass sehr nachdenklich gestimmt. Ich sehe die handelnden Personen vor mir und sie haben große Ähnlichkeit mit kirchlichen Zeitgenossen. Nur der durchs Dach gelassene Gelähmte bleibt für mich ein suchender Fremder. Jesus, umringt von Menschen in einem Raum, ist unzugänglich - nicht etwa, weil er das will, sondern weil die vielen rings um ihn nicht von ihrem Standpunkt abrücken wollen. Wie angewurzelt verteidigen sie ihren Platz, versperren Sicht und Weg, wissen sich als die wahren Vertreter der christlichen Frohbotschaft. Sie grenzen sich gegeneinander ab, und wer draußen steht, sieht nur die Positionskämpfe und Patentrezepte. Christus sieht er kaum. Der heilende Christus – ist er wirklich nur noch über das Dach erreichbar?