Ich werde immer wieder gefragt, ob man angesichts der hohen ethischen und moralischen Ansprüche der Kirche als katholischer Priester glaubwürdig leben kann. Das Problem sehe ich auch: Kann man dem, was die Kirche und die Erwartungshaltung einer Pfarrgemeinde an Vorgaben macht, überhaupt nachkommen? Wenn ich ehrlich bin und die eigene Situation ernst nehme, muss ich eingestehen: Ich bin ein fehlerhafter Mensch. Aber ich habe ein versöhntes Verhältnis zu meinen Unzulänglichkeiten. Sagt man nicht, man würde aus Fehlern lernen? Für diese Möglichkeit des Lernens bin ich dankbar, und das läßt mich etwas gelassener auftreten. So darf ich sogar meine Schwächen noch als wichtige Impulse der Besserung erfahren. Und vielleicht bin ich ja in meiner Hilfsbedürftigkeit sogar ein Hinweis auf einen helfenden, gnädigen, barmherzigen Gott.
Kennen Sie übrigens Menschen, die sich den Anschein der Fehlerlosigkeit zu geben versuchen? Ich kenne solche Zeitgenossen, und sie scheinen mir alle verkrampft und hart zu ihren Mitmenschen zu sein. Da möchte ich mich schon lieber lachend im Kreis derer wiederfinden, die sich der Verzeihung und der Gnade Gottes gewiß sind.