Sonntag, 26. Juli 2009
Lieben Sie Wienerschnitzel? Lieben Sie Schokoladepudding? Ist Lieben und
Habenmöchten dasselbe?
Man kann auch Menschen als Konsumgut verstehen, und man tut es womöglich dort,
wo man jemand "zum Fressen gern" hat. Die Sprache ist verräterisch: Es handelt sich
um eine besondere Form des Kannibalismus, die da zur Sprache kommt, und nicht um
Liebe. Wer wirklich liebt, sagt zum anderen: Schön, dass es dich gibt, so wie du bist,
nicht so, wie ich dich haben will. Lieben heißt immer auch Anerkennen der
Eigenständigkeit des anderen, nicht Festhaltenwollen, nicht Habenwollen.
Der Evangelist Johannes beschreibt die Liebe als Weitergabe. Er betont, dass wir nur
geben können, was wir bekommen haben. Weil Gott uns seine Nähe schenkt, wird
menschliche Nähe und Mitmenschlichkeit möglich. Nur weil Gott uns in Jesus als unser
Lichtblick erscheint, können wir füreinander Lichtblick sein, Hoffnung geben. Nur weil
uns verziehen wird, können wir verzeihen. Wer glaubt, dass Mitmenschlichkeit,
Zuwendung und Liebe nur eigene Leistung sei, überschätzt sich und seine
Möglichkeiten.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich als von Gott beschenkte, getragene, geliebte
Menschen erfahren, damit Sie selbst ein Geschenk sind für die, die Ihnen anvertraut
sind.
Sonntag, 19. Juli 2009
Stellen sie sich vor, Sie müßten mit einem Taxi ihr Ziel in einer fremden Stadt erreichen. Würden Sie da, bevor Sie in den Wagen steigen, nachsehen, ob die Räder richtig angeschraubt sind, wann der letzte Ölwechsel durchgeführt wurde, ob der Taxifahrer seinen Führerschein hat, und ob er die Fahrtstrecke wohl kennt? Normal wäre das jedenfalls nicht.
Auf allen unseren Wegen brauchen wir Vertrauen, diese Grundhaltung, die uns das Leben eigentlich erst ermöglicht. Das ist in gewissem Sinn auch die Grundhaltung des Glaubenden: Das Vertrauen darauf, daß das Ziel erreicht werden kann, auch wenn man nicht weiß, auf welchen Straßen man geführt wird und wieviele Pannen sich einstellen; auch wenn man nicht versteht, wieso man ausgerechnet auf einem holprigen Weg unterwegs ist; das alles ist unser Leben, und wir können oft nur einsteigen auf seine Bedingungen, etwas machen aus den Vorgaben, die wir vorfinden. Wir sollen aber – im Vertrauen auf den Taxilenker unseres Lebens, im Vertrauen auf Gott, das Ziel unseres Lebens nicht aus dem Gedächtnis verlieren.
Denn wenn wir auch den Weg nicht kennen, so ist uns doch das gute Ankommen zugesagt.
Sonntag, 12. Juli 2009
Staunend kann man in manchen Kirchen von Bild zu Bild gehen und sich so die Nähe Gottes vor Augen halten. Bilder von den Großtaten Gottes gehen aber nicht nur die Menschen etwas an, die in der Kirche feiern. Müsste die Kirche nicht auch dem Außenstehenden etwas von der Größe und Macht Gottes aufscheinen lassen? Die Kirchen der Moldauklöster etwa tragen ihren prachtvollsten Schmuck, nämlich die Malereien zur Verherrlichung und zur Feier der Größe Gottes, an ihren Außenwänden. Das kann zu denken geben. An unserer ganzen Kirche, und ich meine nicht nur die Bauwerke, sollte dem Fremden, dem Fragenden und dem der Deutung Bedürftigen die Größe der Taten Gottes für den Menschen aufgehen. Aber: Was tragen wir zu den Bildern der Nähe Gottes in unserer Welt bei?
Sonntag, 5. Juli 2009
Haben Sie Ihre Ferien schon einmal an einem der österreichischen Seen verbracht? Neben den Badegästen, den Restaurants, den Eisverkäufern und Bootsverleihern gibt es da auch eine Reihe von Wasserschifahrern. Gezogen von starken Booten ziehen sie ihre Bahnen auf dem See. Ein interessanter Zusammenhang wird deutlich, der auch in unserem Leben gilt: Wer schnell unterwegs ist, bleibt an der Oberfläche.
Was für den Wasserschi-Sportler ein Vorteil ist, eine Notwendigkeit, um nicht unterzugehen, das ist im normalen Alltag gelegentlich gar nicht so gut: Hastend und hetzend unterwegs, bleiben auch wir an der Oberfläche, lassen uns eigentlich auf nichts und niemand ein. In der Hast und Eile unseres Alltags sehen wir über die Dinge und Menschen hinweg, anstatt sie anzusehen. Sind wir oberflächliche Menschen, weil wir zu schnell unterwegs sind?
Ich wünsche Ihnen, daß Sie in unsere Welt wirklich eintauchen können mit ihrem Leben, daß sie Zeit und Muße finden, sich auf den Rastplätzen ihres Alltags einzufinden, daß Sie sich nicht hineinziehen lassen auf Wege, die Sie nicht selber gehen wollen. Seien Sie, solange Sie nicht am See sind, kein Wasserschifahrer auf den Wellen Ihres Lebens. Tauchen Sie ein.
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