Sonntag, 28. Juni 2009
Stellen Sie sich vor, jemand habe sich gegen seine starken Kopfschmerzen ein hochwirksames Medikament verschreiben lassen. Er geht zur Apotheke, kauft, was ihm der Arzt verschrieben hat, geht nach Hause, öffnet die erstandene Packung und schluckt – den Beipacktext. Die Tabletten lässt er achtlos liegen. Dieses Verhalten wird nicht zum gewünschten Heilungserfolg führen.
Unsere Gottesdienste sind mit vielen Beipacktexten ausgestattet. Man erklärt, kommentiert, leitet über, führt durch die Feier, liest besinnliche Texte und Gedichte. Aber vergisst man über den vielen vermeintlichen Notwendigkeiten des Wortemachens nicht manchmal auf die heilende Nähe dessen, der von sich sagt, dass er unter uns ist, wenn wir uns in seinem Namen versammeln?
Sonntag, 21. Juni 2009
In meiner Studienzeit habe ich eine Reise durch Nordafrika gemacht. Die große Hitze hat mir ziemlich zugesetzt. Meine Kleidung war schneller als geplant verbraucht und ich kaufte mir in einem Oasendorf ein paar etwas grelle und bunte Hemden. Am Abend eines heißen Tages stellte ich beim Ausziehen eines dieser Hemden fest, dass die Buntheit der Farben sich auf meine Haut übertragen hatte.
Im Blick auf die Dreifaltigkeit Gottes haben wir im abfärbenden Hemd eine Andeutung der Theologie: Gott, der uns in seiner Allgegenwart ganz einhüllt, wird für uns als der eine, Unverfügbare, Einzige deutlich. Aber er ist uns ebenso hautnah gegenwärtig als der dreieinige Gott, der sich mit seinen Farben in unserem Leben abzeichnet als Schöpfergott, als Erlöser und Begleiter in Christus, und ebenso als Heiliger Geist, der uns zur Gemeinschaft befähigt.
Dienstag, 9. Juni 2009
"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr." -
Ein Sprichwort dieser Art, gedacht als Aufforderung zum Lernen für die Jüngeren, stimmt auch Ältere nachdenklich. Haben wir etwas zu lernen versäumt in unserem Leben? Und warum sollte man nicht nachholen können, was bisher versäumt wurde?
In der Tat: Vieles, was junge Menschen mit Leichtigkeit erfassen, fällt Älteren schwer. Das hängt wohl auch mit der Art zusammen, mit dem Neuen in der Welt umzugehen, mit dem staunenden Hinschauen und dem offenen Blick, der vielen von uns abhanden gekommen ist. Beschränken wir uns nicht oft darauf, neue Eindrücke und Erfahrungen bloß einzuordnen in das Regal unserer Lebenserfahrung? Und darf es überhaupt geben, was in diesem Regal keinen Platz hat? Wir müssen die Offenheit des staunenden Kindes, des Hänschens aus dem Sprichwort, wieder lernen. Dann wird unser Umgang mit dem Neuen, dem Fremden zu einem aufregenden, schönen Abenteuer. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Ein Programm des lebenslangen Hänschenbleibens ist angesagt. Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen.
Dienstag, 2. Juni 2009
Vielleicht gehören Sie auch zu den Fußballfans. Viele jubeln beim Sieg ihrer Mannschaft oder teilen die Enttäuschung der Verlierer. Ich denke, was sich bei so einem Spiel auf dem Rasen ereignet, ist auch ein Bild unseres Lebens. Verschiedene Interessen werden gegeneinander ins Treffen geführt, immer gibt es Sieger und Besiegte, aber wenn die Spielregeln eingehalten wurden, verläßt niemand als Verletzter das Feld. Wie gesagt: Wenn die Spielregeln eingehalten wurden.
Der Friede zwischen den Mannschaften wird nicht dadurch gewahrt, daß alle Spieler in der Garderobe bleiben. Der Friede ist das Ergebnis des Zusammenspiels nach Spielregeln. Friede heißt, mit der Verschiedenartigkeit der Interessen richtig umgehen zu können.
Gleich ob Fußballspieler oder nicht – den Frieden brauchen wir alle. Es ist ein Friede, der die Verschiedenheit aushalten muß: Verschiedene Interessen, verschiedene Lebensweisen, verschiedene Auffassungen vom Sinn des Lebens. Pfingsten ist noch nicht so lange her, und bei diesem großen Fest der Christen wird unter anderem gefeiert, daß die Einheit in der Verschiedenheit möglich ist. Verständigung ist über Grenzen der Sprache, über Grenzen von Ländern und Lebensweisen hinweg möglich, nicht dadurch, daß wir alle gleichgehobelt werden, sondern durch einen Einheit und Frieden stiftenden Heiligen Geist, den wir alle erhoffen und erbitten sollten.
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