Dienstag, 26. Mai 2009
Ist es gut, nichts zu tun, um nichts falsch zu machen? Dann wäre die Höchstform allen Handelns das Nichtstun. Man kann keinen Schritt im Leben auf alle Konsequenzen überprüfen, man kann die Wirkung eines Wortes, hat man es einmal in die Welt entlassen, nicht absehen. Man weiß nicht, ob der berührte Strohhalm nicht ein Erdbeben auslöst. Die Welt ist zu komplex für unsere Berechnungen. Ein redlich überlegender und auf die Zusammenhänge blickender Mensch müsste zum Zauderer werden.
Aber es gelingt nicht, die Entscheidungen zu verweigern. Denn wer sich nicht entscheidet, hat auch schon eine Entscheidung getroffen. Man entkommt der Tatsache nicht: Die Freiheit ist dem Menschen unwiderruflich aufgegeben. Sie kann ihm zur Last werden. Aber man kann mit dieser Freiheit auch leben und sie dankbar annehmen.
Wir sind freie Menschen, aber noch mehr: wir sind freie Geschöpfe. Und weil wir und auch die Welt, die wir gestalten, in der Hand unseres Schöpfers sind, können wir handeln und unsere eigene Freiheit verantwortet einsetzen.
Dienstag, 19. Mai 2009
Vieles gibt es in unserem Leben, was uns am Boden hält. Ich meine nicht etwa das eigene Körpergewicht, sondern ganz andere Belastungen. Sorgen, Überlastung durch Arbeit, Krankheit. All das kann einen Menschen zu Boden drücken. Alles, was uns das Leben schwer macht, verleiht aber auch Bodenhaftung. Nicht nur Autos brauchen diese Bodenhaftung für ihre gesicherte Fortbewegung, sondern auch Menschen.
Übrigens sagt uns auch der Glaube der Christen nicht, daß ein völlig schwereloses Dasein der Idealfall ist. Die Christen reden von Nachfolge und stimmen ein, daß sie den Weg Christi gehen. Das ist ein Weg, der keine menschliche Schwierigkeit ausläßt. Es ist ein Weg, der Verfolgung, Mißverständnis, Leiden und auch den Tod einschließt. Die eine oder andere schmerzhafte Erfahrung, die eine oder andere Station dieses Weges ist jedem aus dem eigenen Leben bekannt.
Es handelt sich allerdings um einen Weg mit einem guten, schönen Ziel. Das Ziel auf dem Weg Christi ist ein Ankommen in der Geborgenheit Gottes. Alle Belastungen des Alltags dürfen uns darauf nicht vergessen lassen.
Sonntag, 10. Mai 2009
Alois Brandstetter schreibt in seinem Buch „Die Abtei“ auf recht witzige und doch ernst gemeinte Weise: "Die Ungläubigen schließen glatt von einem betrunkenen Pförtner in einem österreichischen Kloster auf den Papst in Rom, oder sie schließen überhaupt gleich auf die Existenz oder Nichtexistenz Gottes. Wenn sie sehen, daß sich in der Pförtnerloge nichts rührt, sagen sie, Gott ist tot." –
Ich denke, die Christen müßten sich alle in der Rolle der Pförtner, die Einlass gewähren oder Einlass verwehren, wiederfinden. Wenn andere skeptisch, aber gelegentlich doch mit Erwartungen, auf die Kirche schauen, dann sehen auch sie zuerst die ganz konkreten Personen. Sie alle, jeder einzelne mit Namen bekannte Christ, wird beurteilt. Schlechte Erfahrungen versperren den Zugang zum Glauben. Erfahrungen mit der Güte, der Hilfsbereitschaft, der Liebenswürdigkeit von Christen machen den Zugang zum Glauben, zur Gemeinschaft der Glaubenden, zur Kirche möglich. Wir sind, ob wir das wahrhaben wollen oder nicht, Pförtner der Kirche.
Dabei müssen Christen nicht perfekt sein. Sie vertrauen darauf, daß bei allem eigenen Bemühen es doch Gott ist, der führt und trägt.
Ich wünsche Ihnen, daß es ihnen gelingt, ein guter Pförtner des Zugangs zum Glauben zu sein und anderen mit ihrem Beispiel den Glauben zu ermöglichen.
Dienstag, 5. Mai 2009
„Die Maschine ist ca. vier Meter lang, zwei Meter breit und vier Meter hoch. Etwa 2000 verschiedenste Bestandteile sind zu einem bebenden, schwingenden, drehenden, dröhnenden, leuchtenden und blinkenden Wunderwerk verbaut, das durch 25 Elektromotoren zum Leben
erweckt wird. Die Maschine besteht neben Spulen, Schläuchen und Drähten aus so unterschiedlichen Teilen wie einem Adler aus Porzellan, einem Orgelgebläse, einer Infrarotlampe, drei Blaulichtern, 64 Vogelpfeifen, 200 Glühbirnen, 14 Glocken, einer Sauerstoffflasche als Antrieb für die windgetriebenen Teile, einer Spielzeugrakete, die er sich extra aus Japan schicken ließ und vielem mehr. Durch die permanente Bewegung der Maschinenteile entstehen Licht- und Geräuscheffekte. Der Ausdruck „Weltmaschine“ ist ein Notname, da ein „Zweck“ der Maschine nicht erkennbar ist, und auch der Erbauer selbst antwortete auf solche Fragen ausweichend.“ - So ähnlich beschreibt das Internetlexikon „Wikipedia“ die „Weltmaschine“ des oststeirischen Bauern Franz Gsellmann.
Haben wir es hier etwa mit einer besonders subtilen Form der Kritik an unserem Pfarrleben zu tun?
Freitag, 1. Mai 2009
Stellen Sie sich vor, eine Fee würde bei Ihnen erscheinen und Ihnen sagen: Du hast Wünsche frei, nicht drei, nicht fünf, nicht hundert, sondern beliebig viele! Stellen Sie sich vor, sie begännen mit dem Einlösen der ungewöhnlichen Zusage: Aller Komfort, aller Reichtum, Gesundheit, würde sich bei Ihnen einstellen.
Und dann? Wären Sie dann zufrieden? Ich glaube nicht. Denn das wissen wir ja auch aus unserem eigenen Alltag, in dem die Feen so selten sind: Kaum haben wir etwas lange Ersehntes erreicht, so wird es langweilig. Das einzige, was in unserem Leben nie versiegt, ist die Sehnsucht nach mehr, nach anderem, nach größerem. Sind wir jemals zufriedenzustellen? Es gibt kein Ende unseres Verlangens.
Wir sind die immer unerfüllten Wesen, und das ist gut so. Das ist nämlich unser Zugang zu dem Wissen, daß unsere wirkliche Erfüllung noch aussteht, und daß es eine Erfüllung ist, die wir uns nicht selber geben können. Unsere unstillbare Sehnsucht kann gelesen werden als ein Hinweis auf Gott. Er ist die Antwort auf unsere Unerfülltheit und Sehnsucht. Kein noch so großer selbstgeschaffener Reichtum, kein anderes Geschenk kann diese Antwort aufwiegen.
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