Mittwoch, 22. April 2009
Wenn ich an den Sommer und die Ferien denke, dann kommen mir die weißen und bunten Segel der Boote in den Sinn, die wir auf unseren Badeseen beobachten können. Nahezu lautlos gleiten die Boote dahin; sie alle ziehen, vom selben Wind getrieben, auf verschiedenen Bahnen dahin, fahren in unterschiedliche Richtungen, kreuzen ihre Wege. Diese Boote lassen sich nicht einfach im Wind treiben, sie sind lenkbar auf den Wegen ihrer Besitzer.
Segeln – ist das nicht ein Gleichnis unseres Lebens?
Gelegentlich verspüren wir Rückenwind bei unseren Vorhaben, oft bläst uns aber der Wind ins Gesicht, gelegentlich geraten wir in stürmische Zeiten, die uns aus der Bahn zu werfen drohen. Und die antriebslosen Zeiten, die Flauten unseres Daseins, kennen wir ebenso. Wir sind unterwegs wie auf Segelbooten, gelegentlich auch mit etwas zu wenig Tiefgang, manchmal drohen wir auch zu kentern an den Schwierigkeiten, um die wir kaum herumkommen.
Wir brauchen keine Segler zu sein und haben es in unserem Leben doch mit ähnlichen Aufgaben zu tun: Wir müssen wissen, woher der Wind weht. Wir müssen sensibel sein für das Nützen der Möglichkeiten um uns, ja in uns. Wir sollten die Herausforderung annehmen, die sich aus unseren persönlichen Interessen, Begabungen und Antrieben ergibt. Nützen wir, was wir an Strömungen und Kräften um uns und in uns vorfinden. Wir sind dazu begabt, und Begabungen gehören entfaltet wie die Segel der Boote auf unseren Seen.
Noch etwas können wir bedenken: Man kann sich nicht aussuchen, woher der Wind weht. Aber man kann als guter Segler auch gegen den Wind kreuzen. Auch wenn wir bei unseren täglichen Anstrengungen Widerstände spüren, ist der richtige Weg möglich. Ich wünsche Ihnen Ausdauer und Zielstrebigkeit.
Dienstag, 14. April 2009
Ein Künstler unserer Zeit hat in der Kirche von Tanzenberg in Kärnten bemerkenswerte Bilder gemalt. Eine große Anzahl von Figuren ist da zu sehen, und all diese Figuren füllen den Altarraum der Kirche aus. Bewegt man sich näher auf diese Bilder zu, so lösen sich die Konturen auf und man steht inmitten einer unglaublich bunten Ansammlung von nur mehr schemenhaft vorhandenen, angedeuteten Gestalten. Je näher man kommt, desto mehr vergeht jede Klarheit der Umrisse.
Vielleicht haben Sie diese Erfahrung auch schon gemacht in der Begegnung mit Menschen ihres eigenen Alltags. Ein Mensch, den man näher kennenlernt, wird nicht berechenbarer und klarer, er verliert nichts von seinem Geheimnis, das er selbst ist – ganz im Gegenteil. Es verschwimmen die Konturen und stellen uns immer wieder vor die Frage, wie wir uns auf das Geheimnis eines derart nahen und doch wieder ganz ungreifbaren, unverfügbaren Menschen einlassen.
Auch für unseren Glauben, der in der Begegnung mit Christus seinen Ausgangspunkt hat, gilt dasselbe: Die Nähe zu Christus äußert sich nicht darin, daß uns Gott wie eine Konstruktionszeichnung vor Augen steht.
Wenn Gott uns in seine Nähe führt, sind wir immer nur die Staunenden.
Dienstag, 7. April 2009
Das Evangelium von der Heilung des Gelähmten, der durch das Dach heruntergelassen wird, hat mich aus aktuellem Anlass sehr nachdenklich gestimmt. Ich sehe die handelnden Personen vor mir und sie haben große Ähnlichkeit mit kirchlichen Zeitgenossen. Nur der durchs Dach gelassene Gelähmte bleibt für mich ein suchender Fremder. Jesus, umringt von Menschen in einem Raum, ist unzugänglich - nicht etwa, weil er das will, sondern weil die vielen rings um ihn nicht von ihrem Standpunkt abrücken wollen. Wie angewurzelt verteidigen sie ihren Platz, versperren Sicht und Weg, wissen sich als die wahren Vertreter der christlichen Frohbotschaft. Sie grenzen sich gegeneinander ab, und wer draußen steht, sieht nur die Positionskämpfe und Patentrezepte. Christus sieht er kaum. Der heilende Christus – ist er wirklich nur noch über das Dach erreichbar?
Sonntag, 5. April 2009
Ich werde immer wieder gefragt, ob man angesichts der hohen ethischen und moralischen Ansprüche der Kirche als katholischer Priester glaubwürdig leben kann. Das Problem sehe ich auch: Kann man dem, was die Kirche und die Erwartungshaltung einer Pfarrgemeinde an Vorgaben macht, überhaupt nachkommen? Wenn ich ehrlich bin und die eigene Situation ernst nehme, muss ich eingestehen: Ich bin ein fehlerhafter Mensch. Aber ich habe ein versöhntes Verhältnis zu meinen Unzulänglichkeiten. Sagt man nicht, man würde aus Fehlern lernen? Für diese Möglichkeit des Lernens bin ich dankbar, und das läßt mich etwas gelassener auftreten. So darf ich sogar meine Schwächen noch als wichtige Impulse der Besserung erfahren. Und vielleicht bin ich ja in meiner Hilfsbedürftigkeit sogar ein Hinweis auf einen helfenden, gnädigen, barmherzigen Gott.
Kennen Sie übrigens Menschen, die sich den Anschein der Fehlerlosigkeit zu geben versuchen? Ich kenne solche Zeitgenossen, und sie scheinen mir alle verkrampft und hart zu ihren Mitmenschen zu sein. Da möchte ich mich schon lieber lachend im Kreis derer wiederfinden, die sich der Verzeihung und der Gnade Gottes gewiß sind.
Donnerstag, 2. April 2009
Schön wäre es schon, wenn man aus Steinen Brot machen könnte. Schön wäre es schon, wenn man im Besitz aller Länder wäre. Schön wäre es schon, wenn man bessere Flugeigenschaften hätte und ganz ohne Ticket, ganz ohne Flughafen und Flugzeug sich auf den Weg durch die Lüfte machen könnte. Stellen Sie sich vor, es gäbe so einen Gewinn bei einem Preisausschreiben: Sie haben gewonnen! Lebenslange Flugtauglichkeit, flattern sie nur! Sie haben gewonnen! Ernähren Sie sich und ihre Lieben von den Steinen am Weg! Wählen Sie zwischen Rindschnitzelgeschmack, Himbeer oder Zitrone! Sie haben gewonnen! - Jesus ist in dieser Situation!
Es ist eine wirklich teuflische Angelegenheit, wird uns da gesagt. Der Gewinn ist eigentlich gar keiner, der Gewinn ist nämlich wie ein Köder an der Angel. Hätte der Teufel Jesus an der Angel, würde er anbeißen und sich die Gewinne auszahlen lassen, dann könnte man ihn abschleppen, weg von den Menschen, dann wäre er kein Gefährte des Menschen mehr, sondern bloß ein flugtauglicher Superman. Dann wäre er kein Begleiter, keiner, der mit den Menschen geht und ihnen nahe ist, keiner, der das Leben des Menschen wirklich kennt und teilt. Wir hätten einen Freund weniger und einen Batman mehr.
Aber Jesus durchschaut den Teufel: Er sieht, daß er nicht vor einem Gewinn, sondern vor einer Versuchung steht, nämlich der Versuchung, die Menschen im Stich zu lassen. Und er lehnt ab. Er bleibt denen treu, die er begleitet, er geht einen menschlichen Weg, und wir wissen in diesen Tagen vor Ostern, daß es ein Kreuzweg, ein Weg zum Tod und erst dann zur Auferstehung ist. Er geht einen Weg, der auch vom Menschen gegangen wird, und deshalb ist er für uns so bedeutsam. Christus verläßt uns nicht, auch wenn der Weg schwierig wird. Das ist die Botschaft dieses Evangeliums. Christus ist unser Freund, der bei uns bleibt in allen Schwierigkeiten.
|