Ein Künstler unserer Zeit hat in der Kirche von Tanzenberg in Kärnten bemerkenswerte Bilder gemalt. Eine große Anzahl von Figuren ist da zu sehen, und all diese Figuren füllen den Altarraum der Kirche aus. Bewegt man sich näher auf diese Bilder zu, so lösen sich die Konturen auf und man steht inmitten einer unglaublich bunten Ansammlung von nur mehr schemenhaft vorhandenen, angedeuteten Gestalten. Je näher man kommt, desto mehr vergeht jede Klarheit der Umrisse.
Vielleicht haben Sie diese Erfahrung auch schon gemacht in der Begegnung mit Menschen ihres eigenen Alltags. Ein Mensch, den man näher kennenlernt, wird nicht berechenbarer und klarer, er verliert nichts von seinem Geheimnis, das er selbst ist – ganz im Gegenteil. Es verschwimmen die Konturen und stellen uns immer wieder vor die Frage, wie wir uns auf das Geheimnis eines derart nahen und doch wieder ganz ungreifbaren, unverfügbaren Menschen einlassen.
Auch für unseren Glauben, der in der Begegnung mit Christus seinen Ausgangspunkt hat, gilt dasselbe: Die Nähe zu Christus äußert sich nicht darin, daß uns Gott wie eine Konstruktionszeichnung vor Augen steht.
Wenn Gott uns in seine Nähe führt, sind wir immer nur die Staunenden.